Interprofessionelle Bildung soll angehende Gesundheitsfachpersonen auf die Zusammenarbeit in der Praxis vorbereiten. Doch wie entwickelt sich die Haltung zur interprofessionellen Zusammenarbeit über mehrere Studienjahre hinweg?
Eine 2026 in BMC Medical Education veröffentlichte Schweizer Längsschnittstudie untersuchte dies bei Studierenden der Ernährung und Diätetik, Hebammenkunde, Pflege und Physiotherapie an einer Fachhochschule in der Deutschschweiz. Analysiert wurden Daten von 234 Studierenden aus mindestens zwei Erhebungszeitpunkten.
Die Einstellung in der Dimension Teamarbeit, Rollen und Verantwortlichkeiten nahm im untersuchten Zeitraum signifikant ab. Für die Dimension Community Centeredness, unter anderem die Zusammenarbeit mit Akteur:innen aus Public Health, Politik und weiteren nicht klinischen Bereichen, konnte keine eindeutige Veränderung nachgewiesen werden.
Zudem zeigten sich Zusammenhänge mit Studiensemester, Geschlecht und angestrebter Profession. Weshalb die Einstellung zu Teamarbeit, Rollen und Verantwortlichkeiten abnahm, wurde nicht direkt untersucht. Kausale Erklärungen lassen sich aus den Ergebnissen daher nicht ableiten.
Die Autor:innen empfehlen, interprofessionelle Bildungsangebote stärker auf unterschiedliche Lernendengruppen und die verschiedenen Funktionen interprofessioneller Haltungen auszurichten.
Damit stellt sich eine zentrale Frage: Wie können interprofessionelle Lernangebote gestaltet werden, damit eine positive Einstellung zur Zusammenarbeit langfristig gestärkt wird?
Publikation:
Grand-Guillaume-Perrenoud, J. A., Peytremann-Bridevaux, I., Gilles, I. & Cignacco, E. (2026). Interprofessional education and its impact on learners’ attitudes over time: a cross-lagged panel analysis. BMC Medical Education, 26, 1158.
https://doi.org/10.1186/s12909-026-08844-1
Verfasserin: Julienne Rüeger
